Der Elternsprechtag kann eine große Chance sein. Endlich sitzen alle Parteien an einem Tisch: Die Lehrkraft, Ihr Kind und die Eltern, also Sie selbst. Eine gute Möglichkeit, sich auszutauschen und „auf einen Nenner zu kommen“, um mit den Worten eines Mathelehrers zu sprechen. Schließlich geht es ja um etwas Wichtiges: Nämlich um die optimale Schulausbildung Ihres Nachwuchses. Da ist es gut, an einem Strang zu ziehen und eventuelle Missverständnisse auszuräumen. Kein Grund also, angespannt oder nervös zu sein, oder doch?

 

Da er Elternsprechtag zeitlich begrenzt ist und die Lehrkraft in der Regel viele Kinder betreut, liegt es auf der Hand, dass sie bevorzugt den „Problemfällen“ Termine einräumen wird. Positive Worte der Lehrkraft sind ungefähr so wahrscheinlich wie die Hoffnung, dass ein Polizist Sie mit der roten Kelle herauswinkt, um Ihren vorbildlichen Fahrstil zu loben. Daher hält sich auch die Freude in Grenzen, wenn Sie von der Lehrkraft zum Gespräch gebeten werden. Erste Igelstacheln stellen sich auf. Innerlich wappnen Sie sich für ein unerfreuliches Gespräch und möchten sich darauf vorbereiten.

 

Doch Ihr Nachwuchs ist nicht gerade hilfreich. Cooles Achselzucken: „Probleme? Nööööö. Alles klar in der Schule.“

 

Präpariert mit Ahnungslosigkeit und Bauchschmerzen erscheinen Sie also in Schule. Endlose Gänge, die genau so riechen wie in Ihrer eigenen Schulzeit, vorbei an anderen wartenden Eltern. Ob die auch alle „einbestellt“ wurden?

Nervöser Blick auf die Uhr. Ja, Sie sind pünktlich. Und dennoch müssen Sie geduldig warten bis sich die Tür zum Klassenzimmer öffnet und der strenge Blick der Lehrkraft Sie trifft. Es ist fast so wie früher, als Sie selbst noch zur Schule gingen und zum Direktor zitiert wurden. Ein ungleiches Machtverhältnis. Denn der Lehrer verteilt schließlich nach wie vor die Noten. Diesmal geht es um die Ausbildung Ihres Kindes, die Ihnen wahrscheinlich noch mehr am Herzen liegt als Ihre eigene Ausbildung es damals tat.

 

Die Lehrkraft hält sich nicht auf mit Smalltalk, sondern kommt gleich zur Sache. Sie bekommen ohne Umschweife zu hören, was Ihr Nachwuchs „ausgefressen“ hat. Noch bevor Sie die Möglichkeit haben, mit Ihrem Kind unter vier Augen Rücksprache zu halten, sollen Sie Stellung beziehen. Dabei handelt es sich um Vorgänge, die Sie natürlich nicht beurteilen können, da Sie ja nicht in der Schule anwesend waren. Während Sie also noch damit beschäftigt sind, „die Faktenlage“ zu ergründen, ergießt sich ein weiterer Wortschwall der Lehrkraft über sie.

 

Schneller als gedacht, geraten Sie dabei selbst auf die Anklagebank. Schließlich fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. Von wem soll Ihr Nachwuchs sein Fehlverhalten also haben, wenn nicht von Ihnen? Spätestens das ist der Punkt, an dem Sie den Eindruck haben, dass das Gespräch nicht ganz so kooperativ verläuft, wie es eigentlich sollte.

 

Ihnen schwillt nämlich allmählich der Kamm. Sie haben das dringende Bedürfnis, nun Ihrerseits der Lehrkraft ein paar unerfreuliche Dinge an den Kopf zu werfen.

 

Warum muss einen Tag vor der Klassenarbeit eine neue Lektion begonnen werden?

 

Und warum muss Ihr Kind, das länger krank war, am Tage seiner Rückkehr in die Schule die versäumten Arbeiten nachschreiben. Das ist doch – mit Verlaub – idiotisch.

Schließlich hat Ihr Kind gar keine Unterricht erhalten, der abgeprüft werden kann.

 

 Ihre Beschwerde-Liste wird immer länger, der Gesichtsausdruck der Lehrkraft auch.... Sie reden sich in Rage und Ihr Kind um Kopf und Kragen. Irgendwie entgleiten Ihnen die Dinge. Keine Frage. Sie haben es gründlich vermasselt. Na ja, der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm. Vielleicht gibt es bald einen Schülersprechtag, an dem sich die Lehrerin bei Ihrem Nachwuchs über die missratenen Eltern beschweren kann. Ihr Nachwuchs verhält sich dann sicherlich gelassener als Sie. Denn cool sein, das ist die Stärke Ihres Kindes.

 

 Liebe Eltern,

dies ist ein Beispiel für ein Negativszenario. Welches sind Ihre Erlebnisse beim Elternsprechtag. Wir freuen uns auf Ihre Meinung.

 

 Ihr Schmoekerkinder.de - Team

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