Schuldrache mini

Paul und Hanno sind Freunde fürs Leben. Vor allem wegen ihrer gemeinsamen Leidenschaft für Fußball.

Doch was tut man, wenn der Freund eine Riesendummheit macht. So wie Hanno, der doch tatsächlich zum falschen Fußballverein wechselt!

Ist Hanno noch zu retten?

 

 Die ganze Geschichte:

 

Schon von weitem sah Paul ihn kommen: Es war ein Lila-Blauer!

Paul schüttelte den Kopf. „Wie kann man nur dem falschen Fußballverein angehören?“, dachte er. „Das ist das allerletzte! Schade, dass Hanno nicht da ist“, fand Paul. „Gemeinsam würden wir uns totlachen über so viel Dummheit.“

Jeder, der nur einen Funken Fußballverstand hatte, trug nämlich rot-gelb, so wie Hanno und Paul. Das waren die Farben des einzig wahren Fußballvereins!

Der Lila-Blaue kam näher. Ob er Ärger suchte? „Soll er doch!“, dachte Paul selbstbewusst. „Der kann mir gar nichts.“

Dennoch hätte er lieber Hanno an seiner Seite gehabt. Das fühlte sich einfach besser an. Wo er heute wohl blieb?

Das letzte Spiel hatten die Lila-Blauen haushoch verloren. Bei dem Gedanken musste Paul lächeln. „Geschieht denen recht“, dachte er.

Die Rot-Gelben hatten die Lila-Blauen mit einem 6:0 Sieg vom Platz gefegt. Vier der Tore gingen auf Hannos Konto. Hanno war nicht nur Pauls bester Freund. Er war auch der beste Stürmer aller Zeiten!

Der Lila-Blaue riss Paul aus seinen Gedanken. Er tat etwas Undenkbares: Er sprach Paul einfach an. „Hallo“, grüßte er - ohne eine Spur von Feindseligkeit in der Stimme.

„Was soll das?“, dachte Paul gereizt. Er wollte nicht mit einem Lila-Blauen reden. Verächtlich musterte er sein Gegenüber. „Verschwinde!“, wollte er sagen. Doch die Worte blieben ihm im Hals stecken.

Er machte große Augen: Vor ihm stand niemand anderes als der beste Stürmer aller Zeiten – sein bester Freund und Fußballkumpel Hanno. Paul schnappte nach Luft. „Spinnst du?“, stammelte er erschrocken. „So kannst du doch nicht rumlaufen! Du siehst aus wie einer von denen!“

Hanno zuckte die Schultern. „Ich BIN jetzt einer von denen“, sagte er. „Die wollen mich als Kapitän ihrer Mannschaft. Da kann ich nicht ‘nein‘ sagen. Wir können aber trotzdem Freunde bleiben, oder?“

Paul tat das einzig Vernünftige. „Ausgeschlossen, du Verräter!“, rief er. Dabei spuckte er die Worte förmlich aus. Er ließ den lila-blauen Hanno einfach stehen. So wie es sich für einen anständigen Rot-Gelben gehörte.

 „Dann hau doch ab!“, schrie Hanno. „Du bist der mieseste Freund aller Zeiten!“

„Wir werden Euch fertig machen!“, schrie Paul zurück. „Sicherlich kommt Hanno bald zur Vernunft“, dachte er.

Aber Hanno kam nicht zur Vernunft. Weder in den folgenden Stunden noch in den folgenden Tagen, nicht mal in den folgenden Wochen. Im Gegenteil: Er blühte förmlich auf bei den Lila-Blauen. Als Kapitän machte er sich super: Die Lila-Blauen wurden immer besser unter Hannos Führung.

Bei den Rot-Gelben fehlte Hanno anfänglich als Stürmer. Doch bald fand sich Ersatz. Niemand sprach mehr von Hanno. Es gab niemanden, der Pauls Kummer teilte. Das war schlimm. Sein bester Freund fehlte ihm. Auch wenn er ein Lila-Blauer war. Paul seufzte.

Plötzlich stand Hanno da. Diesmal hatte Paul ihn nicht kommen gesehen.  „Am Wochenende grillen die Lila-Blauen“, strahlte Hanno. „Magst du mitmachen, gemeinsam mit den Rot-Gelben?“

Pauls Herz machte einen Freudensprung. „Abgemacht“, strahlte er. Zum ersten Mal in seinem Leben reichte er einem Lila-Blauen die Hand. Und das fühlte sich überraschend gut an.

(495 Wörter)

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